Voriger
Nächster

INSELEVENTS

DAS DOPPELTE ABBADEN – ODER DIE DLRG UND DIE TRADITIONEN

Alle Jahre wieder. Auch diesmal wurde am letzten Tag des alten Jahres die Nordsee-Badesaison mit einem Sprung ins kühle Nass verabschiedet. Die DLRG Wangerooge hatte eingeladen, Meeresgott Neptun gerufen, um mit vielen Mutigen in die 14 Grad kalte Nordsee zu gehen.

MOIN NR. 1 · 2020

Blauer Himmel und Sonne. Urlauber und Wangerooger setzten Silvester eine neue Bestmarke: 284 Mutige stürzten sich in die Wellen, begleitet von vielen Schaulustigen. Die DLRG hatte das Spektakel auch in diesem Jahr perfekt organisiert. Für alle Schwimmer gab es eine Teilnehmer-Urkunde – und eine leckere, von Metzgermeister Ralf Lammers persönlich servierte Bratwurst …

Auf ihre eigene Geschichte hat die DLRG Wangerooge zurückgeblickt, vor allem aus Gesprächen mit den Urgesteinen der DLRG Wangerooge Wilhelm »Queller« Maaß, Peter Behse und Adolf Wilhelmi (†) ist ein interessanter Rückblick entstanden. Darin wird deutlich: Die Geschichte der DLRG ist eng mit der der Rettungsschwimmer verbunden. Der Unterschied zwischen beiden: Rettungsschwimmer waren diejenigen, die bei der Kurverwaltung als Badeaufsicht angestellt waren. Wer in der DLRG aktiv war, wer ehrenamtlich tätig.

Die ersten Rettungsschwimmer bzw. Badeaufsichten auf Wangerooge gab es nach dem Ersten Weltkrieg Anfang der 1920er-Jahre. Meist waren das gelernte Maurer und Zimmerleute. Denn um die Kurgäste nicht zu stören, herrschte im Sommer absolutes Bauverbot – es gab also in dieser Jahreszeit nichts zu tun. Stattdessen konnten sich die Maurer und Zimmerleute im Sommer als Badeaufsicht ihr Geld verdienen.

Die Rettungsschwimmer trugen damals Korkwesten. Die Badeaufsichten hatten häufig keine fest definierte Ausbildung als Rettungsschwimmer. Wenn jemand Neues dazukam, musste er früher erst eine »Prüfung« absolvieren. So wurde die Eignung als Rettungsschwimmer festgestellt. Dafür mussten neue Kollegen vom Hauptbad zum Ostbad schwimmen. Zudem mussten sie zeigen, dass sie tauchend durch die Wellen hinter die Brandungszone kommen konnten – das ist für Unerfahrene gar nicht so leicht. Wer diese beiden Aufgaben bewältigt hatte, durfte sich dann aber voller Stolz »Schwimmer« nennen.

Alles änderte sich, als der Polizist Werner Ullrich auf die Insel kam. Er war nämlich im Besitz des DLRG-Lehrscheins und durfte somit Rettungsschwimmer ausbilden. Er setzte sich dafür ein, dass jeder, der Badeaufsicht am Strand werden wollte, den damaligen Leistungsschein der DLRG erwarb (das ist vergleichbar mit dem heutigen deutschen Rettungsschwimmabzeichen Silber).

Durch das Wirken und das Engagement von Werner Ullrich wurde der Grundstein für das Entstehen einer DLRG Ortsgruppe auf Wangerooge gelegt. Erste DLRG-Mitgliedschaften gab es im Juli 1954. Zu der Zeit wurden auch erste Schwimmprüfungen abgenommen. Die Prüfungen wurden damals nicht im warmen Schwimmbad abgenommen, sondern in den Prielen und am Westanleger.

UNTERRICHT IM MEER

Auch der Schwimmunterricht fand Anfang der 1950er-Jahre im Meer statt und erst später im neu erbauten aber unbeheizten Freibad. Die Wassertemperatur lag häufig unter 20 Grad.

Die »Schwimmer« am Strand wurden als Rettungsschwimmer automatisch Mitglied in der DLRG. Die Gründungsmitglieder der Wangerooger DLRG waren Herman Keller (†), Adolf Wilhelmi (†), Fritz Riehl (†), Werner Ullrich (†) und Mainhard Wolken (†). Mainhard Wolken war leitender Rettungsschwimmer am Strand in den 1950er-Jahren.

Neben der Badeaufsicht haben die Rettungsschwimmer aber auch viel für die Kinder am Strand getan. In den 1950er-Jahren gehörte zum Beispiel Schlauchbootfahrten dazu. Dadurch sollte gleichzeitig Werbung für den Schwimmunterricht gemacht ­werden.

Am 4. August 1963 wurde offiziell der Stützpunkt der DLRG Wangerooge gegründet. Die Stützpunktmitglieder gehörten zur damaligen »Kreisgruppe Jade«.

Text: Axel Stuppy + Manfred Osenberg

Fotos: Evelyn Genuit

DLRG auf Wangerooge

Eine richtige Ortsgruppe bilden die Mitglieder der DLRG auf Wangerooge seit dem 17. Februar 1983. Heute sind in der Ortsgruppe, übrigens im DLRG-Bezirk Oldenburg-Nord die einzige Inselortsgruppe, rund 170 Mitglieder. Vorsitzender ist Sven Mähr.

Übrigens. Seit 2017 übernimmt nicht mehr die DLRG, sondern die Wasserwacht des DRK-Landesverbandes Oldenburg die Strandwache auf der Insel. Die DLRG ist aber weiterhin sehr präsent auf Wangerooge, neben den Schwimmtrainings immer freitags reicht das Veranstaltungsangebot von der Erste-Hilfe-Ausbildung über das Ostereiertauchen, Aktionen wie Boßeltouren und gemeinsames Grillen bis hin zum Fackelschwimmen.