STRANDGESPRÄCHE

HERR BÜRGERMEISTER, LIEBEN SIE EIGENTLICH IHRE INSEL?

Es ist nicht alles Gold, was auf einer der schönsten Inseln Deutschlands glänzt. Bezahlbare Wohnungen fehlen, manche stehen leer. Junge Leute verlassen die Insel. Kritik an Bauvorhaben. Unterschiedliche Meinungen bei den Ratsmitgliedern. Erhöhung des Gästebeitrags. Herr Bürgermeister, lieben Sie eigentlich Ihre Insel?

MOIN NR. 2 · 2021​

Marcel Fangohrs Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: »Natürlich liebe ich Wangerooge. Ich würde niemals auf einer anderen Insel tätig werden. Hier bin ich aufgewachsen. Hier habe ich gelernt. Hier habe ich in den Semesterferien im Lucky und im Ahoi auch als Tellerwäscher und Kellner gearbeitet. Natürlich liebe ich Wangerooge, mehr als je zuvor.«

Seit zwei Jahren ist Marcel Fangohr Bürgermeister; der jüngste der »Oberhäupter« auf den Ostfriesischen Inseln. Im Juli wird er runde Vierzig. Wie er feiern wird? Fraglich. Seit einigen Monaten ist er wieder Single, hat viel Zeit für seine Arbeit. Jeden Tag. Gegessen wird nur am Abend.

Hat er sich so seine Tätigkeit als Bürgermeister vorgestellt, nachdem er in der »Bild« als Bachelor vorgestellt und nach der deutlichen Bürgerentscheidung auch die Stichwahl gegen Tina Mißmahl mit 65,28 Prozent der Stimmen gewonnen hatte? »Ja«, sagt Fangohr und nippt an seinem von seinem Stellvertreter Malte Goltz servierten Kaffee, »ja, in der Ausbildung hatte ich schon Einblick in die Gemeindearbeit und die Kurverwaltung. Das war nichts Neues.«

Er macht keinen Hehl daraus, dass Holger Kohls, einer seiner Vorgänger und ebenso parteilos wie er selbst, seinen Weg an die Spitze der Inselgemeinde geebnet hat. Versteht sich, dass Fangohr auch heute noch Kontakte zum Ex-Bürgermeister hat. Guter Rat ist nicht teuer. Am 1. Juli 2018 war der gebürtige Berliner, der 1992 mit seinen Eltern nach Wangerooge kam, zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt worden. Er folgte damit auf den bisherigen Bürgermeister Dirk Lindner, der am 22. Januar 2018 überraschend verstorben war.

Wie alle anderen der knapp 1300 Inselbewohner wurde Fangohr bisher von Corona verschont. »Aber wir versuchen auch alles, dass es so bleibt«, betont er. Auch die Ehrenamtlichen-Ehrung und die erneute Vorstellung der Hotels an der Strandpromenade wurden erst einmal verschoben: »Wolfgang Schönfeld wird später seine Medaille erhalten. Und die neuen Modelle für eine abgespeckte Form der beiden Hotels werden wir vorstellen, wenn es die Situation erlaubt.« Bekanntlich hatte sich auf Wangerooge eine Bürgerinitiative gegen den Bau der Hotels gebildet.

Die Natur spielt natürlich eine große Rolle bei den Machern auf der Insel. Während sich ganz Deutschland Sorgen über die Verpflegung der Insulaner machte und sich oft mehrere Fernsehteams auf Wangerooge befanden, blieb Fangohr relativ ruhig: »Immerhin sind wir es hier auf der Insel schon ein bisschen gewohnt. Wir haben alle fünf bis sechs Jahre mal den Fall, dass die Insel für mehrere Tage vom Festland abgeschnitten ist. Dass wir das über einen längeren Zeitraum über sieben Tage oder zwei Wochen haben, das kommt höchstens alle 15 Jahre vor. Es ist natürlich ärgerlich, aber die Lage hier auf der Insel war fast immer sehr entspannt.«

Kopfschmerzen bekommt Kurdirektor Fangohr allerdings, wenn er an die Winde denkt. Zwar hat der Ostwind den Vorteil, dass der Sand sogar am Hauptstrand immer mehr wird. So breit wie Anfang März 2021 war der Badestrand schon seit vielen Jahren nicht mehr: »Im Normalfall haben wir zu dieser Jahreszeit eher Nordwestwind, der dazu führt, dass unser Strand weggespült wird. Zurzeit sieht das sehr gut aus, wir müssen optimistisch bleiben, dass bis Ostern auch keine Sturmfluten kommen. Dann bräuchten wir in diesem Jahr mal nicht Sand an unserem Hauptstrand auffahren. Das liegt einfach daran, dass bei Ostwind wirklich sehr viel Sand in Richtung Westen gespült und natürlich geweht wird.«

Aber auch bei diesem Thema bleibt der junge Bürgermeister vorsichtig: »In ein paar Wochen könnte ich auch wieder genau das Gegenteil sagen. Man steckt da nicht drin.«

Text: MANFRED OSENBERG

Foto: MANFRED OSENBERG