LEUCHTTÜRME

IM WINTER VOR 50 JAHREN

Viele Insider hatten den Tag nicht auf ihrem Kalender. Das Seefeuer, das 28 Seemeilen (knapp 52 Kilometer) hinaus auf die Nordsee strahlt, wurde am 7. November 1969 gezündet und löste den alten Leuchtturm in seinem Dienst ab. Mit einer gesamten Bauwerkshöhe von 67,20 Metern ist das Seefeuer (noch) das höchste deutsche Seezeichen.

MOIN NR. 1 · 2020

Ja, es stimmt: Vor mehr als einem halben Jahrhundert wurde der höchste deutsche Leuchtturm im Westen der Insel gebaut. Er ist einer der drei großen Seefeuer in der Deutschen Bucht. Der Neubau kostete 1,8 Millionen D-Mark.

Eine gute Investition. Der Ausbau der tiefen Fahrrinne zum Ölhafen Wilhelmshaven und die Neuordnung der Zufahrt zum einzigen deutschen Tiefwasserhafen hatte die Planungen ausgelöst. Der alte Leuchtturm von 1856 inmitten des Inseldorfes stand dafür schlicht am falschen Platz und hätte zudem auch die technischen Anforderungen nicht erfüllen können. Neben Norderney und Helgoland ist das Leuchtfeuer Wangerooge für die innere Deutschen Bucht außerordentlich wichtig.

So wurden ab August 1966 zunächst 24 Gründungspfähle 13 Meter tief in den Sand gerammt, nachdem das Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven knapp einen Monat zuvor den Auftrag vergeben hatte. »Der Bau macht gute Fortschritte«, schrieb die Zeitung am 20. Oktober. Man hoffte, den konischen Turmschaft bis zum Jahresende auf 20 Meter Höhe zu bringen.

1967 wurde der 64 Meter hohe Rohbau fertig, dann folgte die technische Ausrüstung. Das Seefeuer, das 28 Seemeilen (knapp 52 Kilometer) hinaus auf die Nordsee strahlt, wurde am 7. November 1969 gezündet und löste den alten Leuchtturm in seinem Dienst ab. Mit einer gesamten Bauwerkshöhe von 67,20 Metern ist das Seefeuer (noch) das höchste deutsche Seezeichen.

Das neue Seefeuer erhielt dieselbe Kennung wie das Helgoländer Feuer (Blitz, alle fünf Sekunden), allerdings in rot. Im Sockelgeschoss in 20 Meter Höhe befindet sich das Sektorenfeuer für die Ansteuerung der Außen­jade.

Der neue Leuchtturm Wangerooge war – anders als sein Vorgänger – unbemannt und ferngesteuert. Im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte hat sich in der Navigations- und Nachrichtentechnik viel getan, sodass Anpassungen immer wieder erforderlich ­waren.

LEUCHTTÜRME UNVERZICHTBAR

1979 wurde hier die Kopfstation der Radarkette Jade errichtet. Baulich erhielt der Turm 1982 eine Verkleidung aus Aluminium, weil sich die ursprünglich angebrachten Keramikfliesen lösten.

Wenn heute auch Satellitennavigation und andere Verfahren die Seefahrt sicherer gemacht haben, so bleiben Leuchttürme auch künftig einfach unverzichtbar.

Text: MANFRED OSENBERG

FOTO: EVELYN GENUIT