Voriger
Nächster

INSELNAMEN

VON MAASS ÜBER MAAS UND MAAß BIS MASS

Das Maß ist noch längst nicht voll. Immer wieder gibt es neue Menschen an der Nordseeküste mit einem dieser und ähnlich geschriebenen Namen.

MOIN NR. 2 · 2020

Die Ostfriesen wissen es, längst, dass der »Queller« eine Pflanze im Watt ist, die in der Lage ist, viel Wasser zu speichern. Dass sie auch essbar ist, weiß der Wangerooger erst seit relativ kurzer Zeit. Wilhelm Ino Maaß wusste bzw. ahnte es schon als Zehnjähriger und hat schon damals – es müsste im Kriegsjahr 1943 gewesen sein – schon darauf herumgekaut. Das hat ihm auch den Spitznamen »Queller« verschafft, und der hat sich bis zum heutigen Tage gehalten.

Wilhelm Maaß ist mit seinen 87 Jahren ein Insel-Original, so wie sein Schulfreund und langjähriger Kumpel »Peo« Post stets gut gelaunt und zu einem Scherz bereit. Was sicher auch daran liegt, dass er ausgerechnet am 1. April 1933 geboren ist. Der 1. ­April ist für die Familie Maaß übrigens eine Art Schicksalstag. »Drei Stunden vor meiner Geburt ist meine Oma gestorben. Meine Großnichte Marie ist am 1. April 1999 geboren, und meine Schwester ist am 1. April 1960 im Alter von nur 33 Jahren gestorben.« erzählt der gelernte Tischler und Zimmermann, der das Leben auf der Insel auf vielfältige Art bereichert hat.

Denn neben seinem beruflichen Wirken war »Queller« mehr als ein Jahrzehnt Rettungsschwimmer und zusammen mit seinem Vater Wilhelm sen. auch Sargtischler und Bestatter. Eine Tätigkeit, die Wilhelm Maaß allerdings mit der gebotenen Diskretion behandelt wissen möchte. »Das ist nicht nur eine Sache der Pietät, sondern auch des Datenschutzes,« so Maaß, der lediglich verrät, dass vornehmlich Überführungen von und nach Wangerooge bisweilen mit etlichen Problemen behaftet waren.

Als eins von sechs Geschwistern wuchs »Queller« auf der Insel auf, und ging zusammen mit seinen Mitschülern gern seinem Onkel, dem Hauptlehrer Erich Maaß, der auch gleichzeitig Vogelschutzwart war, beim Beringen der Sing- und Zugvögel zur Hand. Und da unsere gefiederten Freunde nicht immer einsichtig waren, setzte es auch manchmal Schnabelhiebe, wie sich Wilhelm schmunzelnd erinnert.

Nach Schulzeit und absolvierter Lehre sah es manchmal schwierig mit den Beschäftigungsmöglichkeiten aus. Der »Queller« arbeitete in dieser Zeit nicht nur in Schweden, wo er Blockhäuser baute, sondern auch im süddeutschen Esslingen.

WELTREISEN

Aber das waren eher «Ausflüge« im Vergleich zu den Weltreisen, die er zusammen mit »Peo« Post unternahm (siehe Fotos). »Wir waren in Venezuela, in Nordamerika, in Afrika und auch auf Mauritius. Aber eine »blaue Mauritius« habe ich nicht als Souvenir mitgebracht.«

Doch einige Erinnerungsstücke, wie finstere Holzmasken, zeugen von Besuchen in afrikanischen Ländern, und Hawaii bleibt nicht nur durch den Trinkbecher aus der Aloha-Bar lebendig. »Wir wurden da von hübschen Mädchen mit Blumenkränzen empfangen,« strahlen seine Augen auch heute noch, und das Foto einer dunkelhaarigen Schönheit hat immer noch einen Ehrenplatz an der Wand über seinem Bett. »Das war aber eine Kanadierin,«erklärt der liebenswürdige alte Herr mit dem markanten Seemannsbart.

Auf Wangerooge hat er sich vornehmlich um den Rettungsdienst verdient gemacht. Eine Familientradition, denn schon Opa Friedrich Maaß war nicht nur Leuchtturmwärter, sondern auch Vormann auf dem mit 10 – 12 Ruderern besetzten Rettungsboot »Fürstin Bismarck«.

Um wie sein Bruder Fritz Rettungsschwimmer zu werden, bedurfte es einer höchst anspruchsvollen Prüfung, bei der 18 Disziplinen in Theorie und Praxis bewältigt werden mussten. Kein Problem für den Queller, der sich an eine Kuriosität erinnert. »Weil damals kein Schwimmbad zur Verfügung stand, musste die Sprungprüfung bei Ebbe im Pril absolviert werden. Da haben wir dann Trittleitern für die Einmeter- und Dreimetersprünge ins Watt geschleppt.«

Die Arbeit von 8 – 10 von der Kurverwaltung bezahlten Wangeroogern als Rettungsschwimmer erhielt vielen (zeitweise auch sehr leichtsinnigen) Gästen das Leben. Anfangs waren dafür auch Ruderboote und später ein Motorboot erforderlich. Und wenn die offizielle Badezeit vorüber war, gingen die Rettungsschwimmer am Strand Patrouille, um die Schwimmer per Horn vor dem gefährlichen ablaufenden Wasser zu warnen.

Und dann gibt es noch eine Passion des Vaters von drei Söhnen, den Modellbau von Segelbooten und Hubschraubern. »Das mache ich seit ich 14 bin,« und dann zeigt er dem Besucher eine ganze Fülle filigran verarbeiteter Flugobjekte, die zum Teil per Fernsteuerung funktionieren. Am Strand bei Windstille oder in der Turnhalle lässt er seine Sammlerstücke steigen und fliegen.

Ein unerschöpflicher Quell von Erinnerungen, der »Queller«, der u.a. auch bei der Standortverwaltung der Bundeswehr als Tischler und Kasernenwart tätig war, ehe er beim Wasser- und Schifffahrtsamt, Sektion Wangerooge eine Aufgabe fand.

Übrigens ist »Queller« Maaß einer der immer weniger werdenden echten Insulaner, denn Peos Mutter, die Hebamme Hanno Post, hat den heute nicht mehr so rüstigen Rentner auf der Insel zur Welt gebracht, wie die MOIN in der letzten Ausgabe 2019 berichtet hat.

In der Ausgabe 1/20 veröffentlichte die MOIN die Geschichte und die Bilder des Wangeroogers Harro Maass, der zu den bekanntesten Naturmalern der Welt zählt. »Aber ich bin nicht verwandt oder verschwägert mit der Großfamilie Maaß, die sich mit scharfem S schreibt«, so Harro Maass mit zwei s …

ELVIRA MIT EINEM »A«

Recht bekannt ist auch Dr. Elvira Mass. Die namhafte Forscherin wurde für ihre Arbeit ausgezeichnet. Die bekannte Frau vom ­LIMES-Institut der Universität Bonn erhielt kürzlich einen begehrten Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Damit ist in den nächsten fünf Jahren eine Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro verbunden. Die Wissenschaftlerin möchte den Einfluss von Nanoplastik auf die Entwicklung von neurologischen Krankheiten erforschen.

Mit Starting Grants zeichnet der Europäische Forschungsrat exzellente Nachwuchsforscher aus. Die Förderung aus Brüssel beträgt in den nächsten fünf Jahren insgesamt 1,5 Millionen Euro. Dr. Elvira Mass vom LIMES-Institut der Universität Bonn möchte damit ein allgegenwärtiges, aber wenig bekanntes Umweltrisiko für unser Immunsystem erforschen: die Verschmutzung durch kleine Kunststoff-Teilchen. »Diese Partikel, die sich mit der Zeit zu Mikro- und Nanoplastik zersetzen, wurden in einer Vielzahl von Ökosystemen nachgewiesen«, sagt Dr. Elvira Mass. »Es wird darüber spekuliert, dass sie in das Nahrungsnetz eindringen und von dort aus durch die Nahrungskette vom Menschen aufgenommen werden.«

GESUNDHEITLICHE SCHÄDEN DURCH NANOPLASTIK

Oral aufgenommenes Nanoplastik könne vom Darm in das Lymph- und Kreislaufsystem gelangen und die Blut-Hirn-Schranke bei Säugetieren überwinden. Mass: »Die langfristige Bioverfügbarkeit und Toxizität von Nanokunststoffen in vielen Organen, und besonders im Gehirn, ist jedoch nicht bekannt.« Mikroglia, als die wichtigsten Neuroimmunzellen, haben nicht nur eine Verteidigungsfunktion, sondern sie erfassen und reagieren ständig auf Umweltveränderungen, damit die Nervenzellen ihre wichtige Funktion aufrecht erhalten können. »Wir werden unter anderem mit Hilfe von Tiermodellen untersuchen, welche Arten von Nanoplastik das Gehirn erreichen und dort von Mikroglia aufgenommen werden«, sagt die Wissenschaftlerin. Damit soll untersucht werden, ob dies zu einer akuten oder chronischen Aktivierung dieser Immunzellen führt und dadurch neurologische Störungen ausgelöst werden. Verhaltensänderungen sowie zelluläre und molekulare Veränderungen im Gehirn, die nach der Einnahme von Nanoplastik auftreten, sind dabei wichtige Hinweise.

WIRKUNG AUF DAS GEHIRN

»Dieses Projekt wird es uns ermöglichen, erst Erkenntnisse über die umweltbedingte Pathogenese neurologischer Erkrankungen zu gewinnen, die von Nanoplastik in unserer Umwelt ausgelöst werden kann«, sagt Dr. Elvira Mass. »Die Durchführung ist auf die Finanzierung durch den ERC angewiesen.« Das Projekt »NanoGlia« ist ein interdisziplinäres Projekt, das sich mit den langfristigen Gesundheitsrisiken von Nano­kunststoffen befasst. Die Wissenschaftler nutzen viele neue Techniken, wie zum Beispiel die Einzelzell-Sequenzierung, um die molekularen Mechanismen, die Nanoplastik auslösen kann, im Detail zu verstehen. Ein Doktorand und ein Post-Doktorand sollen in dem Projekt mitarbeiten.

Text: Privat

Fotos: Privat