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SEENOTRETTER

SEGELN IST GEFÄHRLICH – AUCH IM SOMMER

Es ist ja schon fast so etwas wie eine Tradition geworden: der alljährliche Wochenend-Segeltörn der ehemaligen Wangerooger Rettungsschwimmer. Das diesjährige Ziel war, bedingt durch den anhaltenden Nordwind, wieder mal Langeoog. Torsten Zoeke als Skipper auf seiner »Alu Ree« mit Volker Teichmann und Axel Stuppy als Leichtmatrosen wurden von der Langeooger Hafenmeisterin herzlich begrüßte. Auch wenn ihnen die schmeichelhafte Bezeichnung »Leichtmatrosen« doch ein wenig skeptisches Stirnrunzeln ins Gesicht schrieb.

MOIN NR. 5 · 2021​

Ja, ein Segeltörn kann lustig, aber auch gefährlich sein, wie die Unfälle rund um Wangerooge zeigen. Ein Alleinsegler ist im August zwischen Jade und Weser in Seenot geraten. Er wurde von einem Hubschrauber von seinem sinkenden Segelboot gerettet. Die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) versuchten zunächst noch, das Boot zu sichern. Es musste jedoch aufgegeben werden. 

Sein Schiff habe starken Wassereinbruch – so hatte sich der Skipper eines Segelbootes am frühen Nachmittag telefonisch bei einem Freund gemeldet. Mit einer ungefähren Position meldete dieser die Situation an die Seenotleitung der DGzRS.

Das Seenotrettungsboot WOLFGANG PAUL LORENZ der Freiwilligen-Station Horumersiel sowie der Seenotrettungskreuzer BERNHARD GRUBEN von der Station Hooksiel liefen sofort aus. Zu diesem Zeitpunkt herrschte im Weser-Jade-Gebiet starker Wind mit sechs Beaufort (ca. 50 km/h). Für den späteren Nachmittag waren Böen von neun Beaufort (Sturm, bis zu 90 km/h) angekündigt.

Kurz vor dem Eintreffen der Einheiten im Suchgebiet bot der ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 26 aus Sanderbusch, der soeben einen anderen Einsatz beendet hatte, seine Unterstützung an. Der Hubschrauber entdeckte den Havaristen nordöstlich von Wangerooge im Fahrwasser »Mittelrinne« zwischen Jade und Weser. Starker Seegang mit über zwei Metern Wellenhöhe setzten dem hölzernen Segelboot stark zu. Aufgrund der Takelage war ein direktes Anfliegen des Havaristen nicht möglich. Der Segler (53) musste in die See springen. Von dort wurde er von Christoph 26 mit der Winde aufgenommen.

Minuten später traf die WOLFGANG PAUL LORENZ am Havaristen ein. Eine Schleppleine auf dem führerlosen, stark in der See rollenden Schiff zu belegen, war jedoch nicht möglich. Der ebenfalls eintreffende Seenotrettungskreuzer BERNHARD GRUBEN sicherte das immer tiefer sinkende Schiff ab, bis das Bundespolizei-Fahrzeug »Eschwege« die Sicherung übernahm. Der mit der Tide schnell abtreibende Havarist sank außerhalb des Fahrwassers. Die Stelle wurde entsprechend gekennzeichnet.

Der Skipper aus Wilhelmshaven wurde ins Krankenhaus geflogen. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Es war die erste Fahrt mit seinem Boot, dass er kurz zuvor gekauft hatte und dass er nun von Bremerhaven in den neuen Heimathafen Wilhelmshaven überführen wollte. Bei der Jacht handelte es sich um eine 1979 gebaute »Colin Archer« – ein Name, der in Seglerkreisen voller Ehrfurcht genannt wird. Es handelt sich um stabile norwegische Boote mit bestem Ruf.

Wieso der Zweimaster so voll mit Wasser laufen konnte, wird nun von Fachleuten zur Untersuchung von Seeunfällen zu prüfen sein. Nach der jetzigen Planung soll das Boot gehoben und in einen Hafen gebracht werden.

TOD VOR LANGEOOG

Für einen jungen Segler, der mit einer Jacht zwischen den Inseln Langeoog und Baltrum kenterte, hatten die Seenotretter trotz einer großen Suche schon relativ früh »keine Hoffnung« mehr. Zwei andere Verunglückte im Alter um die 20 Jahre konnten lebend aus der aufgewühlten Nordsee geholt ­werden. 

Der Vermisste sei zusammen mit einer Frau und einem Mann in Seenot geraten, teilte die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit. Die Gruppe hatte noch versucht, einen Notruf per Handy abzusetzen. Eine Ortung des Handys half dann beim Finden der Unglücksstelle. Acht ­Schiffe und mehrere Hubschrauber schwärmten sofort aus, um nach dem Havaristen zu suchen. Extrem starker Seegang mit Wellen von bis zu vier Metern Höhe erschwerte die Großaktion. Gegen 21.30 Uhr fand die Besatzung eines Marine-Hubschraubers als erstes die Frau im Wasser treibend. Sie wurde mit einem Seil in den Helikopter gezogen. 

Eine halbe Stunde später entdeckte die Suchmannschaft dann einen der Männer und brachte ihn in Sicherheit. Die zwei Geretteten wurden in ein Krankenhaus auf dem Festland geflogen. Sie waren nach Angaben eines Sprechers der Marine stark unterkühlt, schwebten jedoch nicht in Lebensgefahr, wie es hieß. Für den dritten Segler kam nach Angaben der Seenotretter jede Hilfe zu spät. Bei der Suche entdeckten die Helfer seinen Körper zwar unter der Wasseroberfläche. Beim Versuch, ihn zu bergen, versank er aber in der aufgewühlten See. Für ihn gab es keine Hoffnung mehr.

 

DANN WAR DA NOCH

… ein 47 Jahre alter Sylter Rettungsschwimmer, der bei dem Versuch, einer im Wasser um ihr Leben kämpfenden Frau zu helfen, umgekommen ist. Zwei Rettungsschwimmer und vier andere Badegäste am Strand vor Wenningstedt seien der Frau zu Hilfe geeilt, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Die Frau konnte aus dem Wasser gezogen werden. Ein Rettungshubschrauber hat sie in eine Klinik geflogen. Dort starb sie aber noch am gleichen Tag. Auch auf Wangerooge wurde im September ein weiblicher Badegast vermisst. Die 27-jährige Frau war in die Nordsee gegangen und wurde danach nicht gesehen. Aber die vergebliche Suche endete mit einem Happy-End. Denn der Badegast tauchte am Abend unversehrt in ihrer Ferienwohnung wieder auf.

TEXT: MAO/Seenotretter

FOTOS: PRIVAT/SEENOTRETTER