FILMREIF

WUNDERSCHÖN …

Na bitte, geht doch. Nach einigen schwachen Filmchen über Wangerooge schaffte es der Westdeutsche Rundfunk (WDR), einen ausgezeichneten Streifen zu produzieren, den am 9. August 2020 sage und schreibe 1,2 Millionen Zuschauer an den Bildschirmen verfolgten. »Wunderschön« – Tamina Kallert schilderte Wangerooge in den schillerndsten Farben.

MOIN NR. 5 · 2020

In der Tat – das war beste Werbung für die »Insel ohne Eile« an jenem Sonntagabend. Da waren Profis am Werk, die nicht nur nach Wangerooge gekommen waren, um Kühe zu zeigen oder Bahndienstleister, die schon mit dem Herzen wieder längst zum Festland zurückgekehrt waren. Nein, hier waren mit der Redakteurin Christiane Möllers und der Autorin Beate Höfener Frauen mit viel Herzblut bei der Gestaltung dabei.

WANGEROOGE IN ALLEN FACETTEN

Dicke »Pötte« gucken – das gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen auf Wangerooge: Die östlichste der Ostfriesischen Inseln liegt in Sichtweite der großen Schifffahrtslinien. Und hier geht es beschaulich zu. Keine Autos, dafür eine Schmalspurbahn vom Fähranleger ins gemütliche Zentrum. Auf der Insel ohne Eile nimmt sich Tamina Kallert Zeit für Geschichten: beim Bummel durch’s Dorf, wo die einzige Ampel des Seebads an einem Gartencafé hängt; im »Café Pudding«, das auf einen Bunker gebaut wurde; am Hauptbadestrand, wo angeblich mehr Strandkörbe stehen, als es Einwohner gibt. Von oben sieht Wangerooge aus wie ein Seepferdchen. Das entdeckt Tamina Kallert bei einem Flug mit einem offenen Tragschrauber über die Insel. Einen weiten Blick auf die Nordsee und das Wattenmeer, auf Sandwiesen, Dünen und lange Strände hatte sie vom Westturm – und vom Standesamt im Alten Leuchtturm.

Im Westen der Insel liegen die Salzwiesen und mittendrin tiefe Seen. Die Bombentrichter – entstanden bei schweren Luftangriffen in den letzten Kriegstagen – sind heute Lebensraum vieler Wasservögel. Im Westen steht auch das Wahrzeichen von Wangerooge: der 56 Meter hohe Westturm. 1932 wurde er als Jugendherberge gebaut, allerdings ohne Aufzug. Eine exklusive Führung mit Blick in den Himmel bekommt Tamina Kallert in der nahen Schulsternwarte.

PURE ENTSPANNUNG – UND WASSERACTION

Auf der familienfreundlichen Insel liegt der Haupt-Badestrand direkt am Ort. Hier können Feriengäste nicht nur gemütlich im Strandkorb sitzen, sondern sogar im Schlafkorb übernachten – und morgens direkt bei der Frühgymnastik mitmachen. Vierbeiner freuen sich über die »Hundebar« an der nostalgischen Strandwärterbude. Unterhalb der westlichen Strandpromenade findet Tamina Kallert ein ideales Revier zum Stand-up-Paddling.

Keine Strandkörbe, aber Ruhe und Entspannung findet Tamina Kallert am flachen, von Prielen durchsetztem Oststrand, den sich die wenigen Badegäste mit Seehunden teilen. Ein ehrenamtlicher Seehundretter (Eilt Arnold) erzählt von kleinen Heulern, die er zur Aufzuchtstation in Norddeich bringt. Die Sanddünen und Salzwiesen gehören zum Nationalpark Wattenmeer. Junge Leute kümmern sich ehrenamtlich um den Vogelschutz und genießen die Entschleunigung auf der Insel.

»Wunderschön.« Ja, das beschreibt die Bilder, die das WDR-Team auf unserer Lieblingsinsel eingefangen hat, schon sehr treffend. Sicherlich hätte das nicht so gut funktioniert, wenn es auf Seiten der Crew nicht schon vorher gewisse Affinitäten zur Nordsee und den Inseln gegeben hätte. Allen voran die Reisejournalistin Tamina Kallert wusste die wunderschönen Filmsequenzen mit Witz und Charme zu untermalen. Doch was macht die 46-Jährige eigentlich, wenn Sie nicht gerade vor der Kamera steht? Hier ein paar Einblicke in das bewegte Leben der Journalistin und Fernsehmoderatorin.

WER IST EIGENTLICH TAMINA KALLERT?

Tamina Kallert besuchte in ihrer Geburtsstadt Freiburg im Breisgau die Waldorfschule. Nach ihrem Abitur studierte sie Anglistik und Geschichte in Freiburg und Köln. Nach Auslandsaufenthalten in den USA, der Ukraine und Indien absolvierte sie 1995 ein Praktikum beim WDR. Der Beginn einer vielschichtigen TV-Karriere.

Als Reporterin arbeitete sie für das WDR-Jugendmagazin Lollo Rosso, präsentierte die Life-Style-Sendung Gimmi Feif, das ARD-Sommerprogramm Mallorca Life und das WDR-Magazin Boulevard Europa. Im Herbst 1999 wechselte sie zu ProSieben und arbeitete als Redakteurin und Reporterin für »Die Reporter«.

Seit 2008 ist Kallert in vielen Ausgaben des WDR-Reisemagazins »Wunderschön!« zu sehen. Außerdem präsentierte sie beim WDR von 2004 bis 2010 die Sendung »Tiergeschichten« und seit 2015 »2 für 300«. Im September 2016 moderierte sie zusammen mit Daniel Hope die vom WDR organisierte Veranstaltung Eurovision Young Musicians 2016 in Köln.

Aber Schluss mit Lebenslauf; viel interessanter ist es doch, was die Journalistin selbst über ihr Leben denkt, oder?

TRAUMBERUF REISEJOURNALISTIN

»Jetzt mal ehrlich – Hand hoch: Wer denkt beim Begriff Reisejournalistin nicht an Traumberuf? Eben. Wenn ich Ihnen jetzt noch verrate, dass ich diesen Beruf schon seit über zehn Jahren ausübe, dürfen Sie mich ruhig einen besonders großen Glückspilz nennen. Denn das bin ich wirklich. Ich reise für mein Leben gern. Ich bin ein neugieriger Mensch, und für mich trifft der folgende Satz ganz besonders zu: Menschen interessieren sich vor allem für Menschen – und für ihre Geschichten.

Ich liebe es, mich auf Neues einzulassen. In Welten einzutauchen, die ich vorher nicht kannte. Für die Sendung »Wunderschön« habe ich bisher über 70 Länder bereist. Ich klettere auf Vulkane, reite auf Kamelen, besuche abgelegene Dörfer, einsame Inseln, Millionenmetropolen, Strände, durchstreife Wälder und Dschungel.

Ich fahre Zug, Rad, Auto, fliege, tauche, laufe und wandere, springe von Brücken und aus Flugzeugen – ok, das war früher. Als zweifache Mutter bin ich angehalten, mich etwas zurückzuhalten.

Ich spreche mit Weinbauern, Museumsleitern, Musikern und Malern, Polizisten, Piloten und Piraten. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es ein Traumjob ist?

Am Reisen mag ich das Ankommen genauso wie das Wegfahren. Nach Hause kommen, dahin, wo die Familie ist, die Freunde, das Vertraute – das ist das Schönste.

Eben mit meinem Team noch auf großer Reise in NRW, in Deutschland, der Welt – freue ich mich immer wieder auf mein Freiburg. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier habe ich Anglistik und Geschichte studiert, von hier aus gelang mir 1995 der Einstieg ins Fernsehen. Eine wunderschöne Heimat und gleichzeitig die Welt durch die Arbeit bereist … Da habe ich wohl alles richtig gemacht.«

Derzeit liegt Tamina flach. Bei einem Motorradunfall zog sie sich schwere Verletzungen zu, unter anderem einen Kreuzband­riss. Die MOIN wünscht gute Besserung!

Übrigens: Wer die Wangerooge-Folge von Wunderschön verpasst hat, kann dies in der WDR-Mediathek nachholen.

Text: MANFRED OSENBERG

Foto: WDR